Im Herbst 1862 machte eine Reihe junger Männer aus Niedervellmar eine Morgenpartie zur Firnskuppe im Habichtswald. Ihnen angeschlossen hatte sich auch Lehrer Schäfer. Und während sie so durch den herbstlichen Wald wanderten, wurde auch gemeinsam gesungen. Bei der Gelegenheit entstand die Idee, in Niedervellmar einen Gesangverein ins Leben zu rufen. Schon am 1. Januar 1863 wurde der Verein gegründet. Zu den ersten Mitgliedern gehörten  Christoph Arend, Dittmar Siebert, Johannes Ullmann, Justus Damm, Gerhard Ullrich, Christoph Breitenstein, Georg Stiebing, Christoph Brede, Johannes Brede, Nikolaus Damm, Wilhelm Ullmann, Wilhelm Stiebing, Heinrich Persch, Dittmar Möller, Heinrich Brede und Erasmus Ullrich, der zum 1. Vorsitzenden ernannt wurde und dieses Amt vier Jahre inne hatte. In der alten Schule trafen sich die Mitglieder zu den ersten Proben, später im Hause von Christoph Arend. Lehrer Schäfer wurde erster Chorleiter des Männergesangvereins Niedervellmar, der schon nach kurzer Zeit 40 Mitglieder hatte. Im Gründungsjahr legte der Verein auf der Pfingstweide einen Tanzplatz für die Sommervergnügen an. Chorleiter Schäfer starb sehr bald. Zu seinem Nachfolger wurde der Musiker Götz aus Kassel ernannt. 1866 erlebte der Gesangverein Niedervellmar den ersten Krieg seiner Geschichte. Dieser "Deutsche Krieg" dauerte zwar nur wenige Monate, aber auch in den Reihen des Vereins waren Verluste zu beklagen. Die Gesangsstunden wurden eingestellt und erst fünf Jahre später im November 1871 mit Herrn Götz wieder aufgenommen. Zwei Jahre später beschaffte sich der Verein eine Vereinsfahne und freute sich, dass "die damaligen Jungfrauen von Niedervellmar in liebenswürdiger Weise freiwillige Beiträge spendeten." Seit 1873 gehörte der Männergesangverein dem "Ländlichen Sängerbund" an, der abwechselnd in den Gemeinden ein Bundesfest feierte. Das vierte Fest dieser Art wurde in Niedervellmar begangen. In 1888 feierte man mit einem großen Festakt das 25jähriges Bestehen. Zu dieser Zeit war der Musiker Ullrich Chorleiter, ihm folgte Musiker Gertenbach. Sein Nachfolger war Lehrer Siebert. 1905 übernahm der Königliche Hoftheater-Inspizient Emil Heyne die Chorleitung. In der alten Chronik wird ihm bestätigt, dass er den Gesangverein "im Singen zu hoher Blüte" brachte. Mit großem Erfolg konnte der Chor bei vielen Sängerfesten auftreten. Im Jahre 1913 feierte man das 50jährige Bestehen. Die Pioniere aus erster Stunde Wilhelm Ullman, Ludwig Brede und Dittmar Siebert wurden geehrt und weitere 18 Mitglieder gehörten dem Chor 25 Jahre an. Die Jungfrauen von Niedervellmar verehrtem dem Chor eine Fahnenschleife, während die Frauen einen goldenen Kranz stifteten und der Vereinsfahne ein neues Kleid verpassten. Niemand ahnte, dass schon ein Jahr später die Chorarbeit durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen werden würde. Elf  Aktive wurden zum Wehrdienst eingezogen. Bis zum Januar 1919 ruhte die Chorarbeit. Die erste Versammlung nach dem Krieg im Januar 1919 ergab einstimmig ein Votum für einen Neubeginn. Emil Heyne nahm die Chorarbeit wieder auf.

 

Im Jahr 1920 wurde in Niedervellmar ein Arbeitergesangverein gegründet, der binnen kurzer Zeit mit 30 Sängerinnen und 40 Sängern besetzt war. Ein Gründungsprotokoll liegt nicht vor. Man weiß aber, dass Oskar Polte 1. Vorsitzender und Georg Buchmann erster Chorleiter dieses neuen Chores wurde. Geprobt wurde in der Gaststätte Heinrich Winzenborn, die zum Vereinslokal ernannt wurde. Im gleichen Jahr, als der Arbeitergesangverein sich gründete, gab Emil Heyne sein Amt als Chorleiter beim Männergesangverein auf. Sein Nachfolger wurde Christoph Brede. Im Jahr 1925 berief man den Mühlenbesitzer Wilhelm Range zum Chorleiter.

 

Im Männerchor 1863 wie auch im Volkschor 1920 Niedervellmar herrschte reges Vereinsleben. Es gab Konzerte, Liederabende und "Abendunterhaltungen", das waren gesellige Veranstaltungen mit humorvollen Programmen. 13 Jahre nach der Gründung kam die Machtübernahme. Der Arbeitergesangverein Niedervellmar wurde aufgelöst und das Vereinsvermögen beschlagnahmt. Am 20. Juli 1933 rief der Ortsgruppenleiter für die Mitglieder beider Vereine eine Versammlung ein. Dort wurde den Chormitgliedern eröffnet, dass es nach dem Willen des Führers unter dem Namen " Volkschor Niedervellmar " nur noch eine Volksgemeinschaft geben solle. ( Protokoll vom 21. Juli 1933 ). Doch diese Volksgemeinschaft auf Befehl und der Zusammenschluss beider Chöre funktionierte nicht und war zum Scheitern verurteilt. Im Protokoll vom 1. Januar 1935 ist zu lesen, dass der gemischte Chor im Oktober 1934 seine Vereinstätigkeit einstellte. Der Männerchor konnte seine Arbeit unter Wilhelm Range fortsetzen. Das 75jährige Bestehen in 1938 konnte wegen der Maul- und Klauenseuche nicht gefeiert werden. Die Chorarbeit wurde mit Ausbruch des Krieges 1939 stark beeinträchtigt.  Im Übungsraum im Gasthaus "Zum kühlen Grund" hielt der Führungsstab einer Flakeinheit Einzug. In 1940 wurde nochmals ein Versuch unternommen, durch den Wechsel des Vereinslokals die Chorarbeit aufrecht zu erhalten. Chorproben wurden nun im Gasthaus "Neu Holland" abgehalten. Doch immer mehr Sänger wurden zur Wehrmacht einberufen. Die Chorarbeit kam gänzlich zum erliegen.

 

Nach dem Kriegsende verbot die Militärregierung jegliche Vereinstätigkeit. Chorleiter Range versuchte, die Mitglieder des Männerchores in einem Kirchenchor neu zu sammeln. Dieser Chor konnte nach kleineren Auftritten in 1948 sein erstes Kirchenkonzert veranstalten. Es dauerte bis zum Frühjahr 1948, bis sich in Niedervellmar wieder ein Gesangverein gründete. Geburtshilfe leistete hier der bereits funktionsfähige Volkschor Obervellmar, dessen Chorleiter Heinrich Höhmann sich auch für Niedervellmar zur Verfügung stellte. Am 13. März 1948 wurde so ein Verein mit dem Namen "Volkschor Niedervellmar"  gegründet. Erster Vorsitzender wurde Heinrich Rudolf. In 1950 gab der Chor unmittelbar nach Einweihung der neuen Kulturhalle in Niedervellmar sein erstes Konzert. Rektor Krödel löste Heinrich Höhmann ab. Als der 1953 versetzt wurde, übernahm ein junger Sänger aus den Reihen des Chores die Arbeit als Chorleiter: Wolfgang Lange. Unter seiner Leitung gab der Chor 1954 sein erstes Konzert.

Nach dem Tod des 1. Vorsitzenden übernahm Georg Sippel das Ruder. Nach seinem plötzlichen Tod wurde Ernst Hartwig sein Nachfolger. Am 8. Januar 1955 wurde Willy Pieper zum 1. Vorsitzenden gewählt.

Der Männergesangverein 1863 begann seine Chorarbeit im Mai 1950. Karl Schwarzmann wurde 1. Vorsitzender und Wilhelm Range Chorleiter. 1951 übernahm Oskar Schade aus Ihringshausen zeitweise die Chorarbeit. Ab Oktober 1956 wurden beide Chöre durch Wolfgang Lange geleitet, um eine engere Zusammenarbeit zu erreichen. Im Jahr 1969 wurde ein gemeinsames Konzert in der Kulturhalle veranstaltet. Bereits 1959 übernahm Karl-Heinz Bischoff die Chorarbeit im Männergesangverein 1863, Bernhard Ullmann wurde von Herbert Reiß als 1. Vorsitzenden abgelöst. Mit einem Kirchenkonzert im März 1963 begann der Männerchor die Feierlichkeiten zu seinem 100jährigen Bestehen. Im Mai 1963 wurde das eigentliche Jubiläumsfest gefeiert. nach dem 100jährigen Jubiläum verließen eine Vielzahl von älteren Sängern den Verein. Chorleiter Bischoff führte die verbleibenden Mitglieder mit Chören aus Heckershausen und Grebenstein zu einer Chorgemeinschaft zusammen.

 

Nach dem Ausscheiden von Karl-Heinz Bischoff im Jahr 1971 stand der Männergesangverein 1863 erneut vor der schwierigen Frage, wie es mit der Chorarbeit weiter gehen sollte. Man entschied sich zweckmäßigerweise für eine Singgemeinschaft mit dem Volkschor Niedervellmar. Nach einem Jahr des gemeinsamen Musizierens erfolgte in der Mitgliederversammlung vom 21. März 1972 der Zusammenschluss des Männerchores 1863 und des Volkschores 1920 Niedervellmar zum " Volkschor 1863 / 1920 Niedervellmar " , der die Tradition der ehemals zwei Vereinen fortführen sollte.

Willy Pieper wurde zum Vorstandsvorsitzenden gewählt und leitet in dieser Funktion bis zum Jahr 1991 die Vereinsgeschicke. In der Versammlung vom März 1991 wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Zu den wichtigen Ereignissen der Vereinsgeschichte gehört die Schaffung des neuen Übungs- und Vereinsraumes in der Niedervellmarer Kulturhalle 1982. 1421 Arbeitsstunden wendeten die Mitglieder auf. Wolfgang Lange schied nach 30jähriger Chorleitertätigkeit im September 1983 aus. Dem Vorstand gelang es, den damaligen Kreischorleiter des MSB  Johannes Hübner als Chorleiter zu gewinnen, der bis zu seinem Tod im Juli 1996 den Chor leistungsmäßig geprägt hat. 1989 kam Margot Henrich zusätzlich als 2. Chorleiter hinzu. In 1987 gründete sich aus einem privaten Kontakt eine Chorfreundschaft mit dem "Frauenchor 1916 Lich" Kurz nach der Wiedervereinigung 1989 wurde eine weitere Freundschaft mit dem Männerchor "Frohe Sänger e.V." Mühlhausen geschlossen, es kam zu regelmäßigen gegenseitigen Besuchen. 1991 bestand der Chor beim jährlichen Leistungssingen des MSB in Hann.-Münden und wurde mit dem Titel "Leistungschor" ausgezeichnet. Beim Deutschen Chorfest 1992 in Köln überzeugte der Chor mit einer tadellosen Leistung das Publikum. Rund 80 000 Sängerinnen und Sängern aus dem In - und Ausland waren der Einladung des Deutschen-Sängerbundes in die Rhein-Metropole gefolgt. Unter dem Motto „Singen heißt Verstehen“ fanden auf Straßen und Plätzen, in Einrichtungen und Kirchen der Stadt zahlreiche Konzerte statt.

Noch vor seinem Tod im Jahr 1996 berief Johannes Hübner Konzertmeister Peter Diederichs als seinen Nachfolger, der am 17. Juni 1996 seine erste Chorprobe abhielt. Peter Diederichs hatte Klavier, Geige, Gesang und Chorleitung studiert und arbeitete seit Jahren erfolgreich mit vielen Opernchören als Korrepetitor und Chorleiter. Seine Stationen in Kassel waren unter anderem der "Konzertchor", der Opernchor und Kinderchor am Staatstheater. Bettina Waitz, eine Sängerin aus den eigenen Reihen, wurde nach dem Bestehen der Chorleiterprüfung 2. Chorleiter. In 1997 wurde ein Konzert mit den befreundeten Chören aus Mühlhausen und Lich auf die Beine gestellt. Peter Diederichs lehrte den Chor bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 2001 auf besondere Weise geistliche Chorwerke zu schätzen und den Umgang mit Operetten- und Schlagermelodien. Höhepunkt seiner Periode war die Präsentation von Schlagern aus den 20er Jahren und der Gefangenchor aus der Oper "Nabucco".

 

Mehrere Wechsel gab es bei den Vorsitzenden: Freimut Schneider (1991/1992 - verstorben 2013), Rudi Langer (1993/1994 - verstorben 1998), Rainer Stuthmann (1995 - verstorben 1996), Lieselotte Telle ( 1996), Walter Peters (1997 bis 2003). Seit 2004 ist Renate Stuthmann Vorsitzende des Volkschor Niedervellmar.

 

Maren Gerds übernahm  die Chorleitung ab März 2001. Im September 2002 gab sie die Chorarbeit wegen Schwangerschaft ab. Der Verein gewann Frau Susanne Zindel als Chorleiterin, die die Tradition der Männerchöre wieder belebte. Schon im Oktober 2003 begeisterte der Chor unter ihrer Leitung und mit Unterstützung von Bettina Waitz das Publikum zum 140jährigen Bestehen mit einem attraktiven Konzert in der Kulturhalle Niedervellmar. Sie unterstützte die Bemühungen von Walter Peters, einen Projektchor zu gründen, um interessierten Sängerinnen und Sängern auch außerhalb eines Vereins Gelegenheit zu geben, im Chor zu singen. Mit Hilfe von Reinhold Schmidt am Klavier während zahlreicher Proben wurde 2006 das "Mary Poppins Konzert" präsentiert, das im gleichen Jahr nochmals aufgeführt wurde, da die Nachfrage beim Publikum so groß war. Eine DVD dokumentiert diesen Erfolg. Susanne Zindel heiratete im August 2006 Reinhold Schmidt. Die ersten Vorbereitungen für das Konzert im Jahr 2008 wurden mit ihr erarbeitet. Bis März 2007 stand sie dem Chor zur Verfügung und legte dann die Chorarbeit aus gesundheitlichen Gründen nieder. Bettina Waitz übernahm den Chor bis September 2007. Der Auftritt beim Chorkonzert zum Heimatfest wurde von Maren Gerds geleitet, die Bettina Waitz wegen Urlaub vertrat.

 

Vom 08. Oktober 2007 an hatte Diplommusikerin Nailya Sigg die Geschicke des Chores in der Hand. Ihre professionelle Arbeit mit dem Chor zahlte sich bald aus. Stimmbildung und Atemtechnik, Dynamik und Ausdruck wurden dem Chor auf entspannte Weise vermittelt. Die immer gut gelaunte und temperamentvolle Chorleiterin trug dazu bei, dass es den Chormitgliedern leicht gefallen ist, diszipliniert zu arbeiten und sich sicher zu fühlen. Das Ergebnis ihrer Leistung präsentierte der Chor gekonnt mit einem "erstklassig dargebotenem Klangerlebnis" ( Zitat HNA 4.11.2008 ) im Konzert "Ein Koffer voller Noten". Zu diesem Anlass wurde eine CD sowie DVD produziert. Nailya Sigg verließ den Chor am 15. Dezember 2008 aus familiären Gründen.

 

Im Januar und Februar 2009 hatte Susanne Schmidt als Chorleiterin ersatzweise die Chorarbeit aufrecht erhalten. Zum 02. März 2009 wird Diplommusikerin Monika Magasi als neue musikalische Leitung an den Chor gebunden. Am 20.06.2010 hat der Chor unter Leitung von Monika Magasi und erstmaliger Mitwirkung von dem bekannten Tenor Richard Wiedl, welcher die Moderation übernommen und das Publikum mit Solodarbietungen erfreut hat,  ein  sehr erfolgreiches Konzert in der Kulturhalle Vellmar veranstaltet. Hier wirkte der eigens zu diesem Anlass ins Leben gerufene Kinderchor der Grundschule Niedervellmar mit. Auch hier wurde eine CD produziert. Im Oktober des gleichen Jahres gaben wir zusammen mit dem "Kleinen Herrenchor", ebenfalls unter Leitung von Monika Magasi, ein Konzert in der Matthäuskirche Niederzwehren.

Im November 2011 wurde die Aufgabe unseres Probenraumes in der Kulturhalle Niedervellmar wegen Asbestbelastung angeordnet. Unsere neue Bleibe wurde nach einem kurzen Aufenthalt im Seniorenheim "Mühlenhof" der Gemeinschaftsraum im "Schomers-Haus", Hauffstraße 29.

Ganz groß gefeiert wurde unser Chorjubiläum zum 150. Bestehen am 3. November 2013. Das Konzert fand in der In der Ev. Adventskirche Niedervellmar statt. Richard Wiedl begleitete uns durch ein hörenswertes Programm. Als Gäste trugen der Polizeichor Kassel und der SMA-Chor zum Gelingen bei. Nach intensiven Monaten der Vorbereitung führten wir in der Adventszeit 2014 eine "Musikalische Reise durch die Weihnachtsgeschichte" mit bekannten und selten gesungenen Weihnachtsliedern auf. Im Juli 2015 trennten wir uns aus persönlichen Gründen von Monika Magasi. Während der Suche nach einer neuen Chorleitung  übernahm unsere Kantorin und  Organistin Angelika Großwiele die Probenarbeit und begleitet uns zu einigen Auftritten. Im November 2015 konnten wir die Studentin Susanne Rhode als neue Chorleiterin gewinnen.

Am 2. Juli 2018 kam es nach langen Jahren der Sanierung der Kulturhalle Niedervellmar zur Schlüsselübergabe der Stadt Vellmar an den Volkschor. Seit dem 6. August probt der Chor wieder im gewohnten Musikraum.